über

Die Geschichte des Monsieur Lavande

Bonjour, die Dame! Guten Tag, der Herr!

Ich nehme an, Sie kennen Lavendel. Aber kennen Sie auch den unverwechselbaren »Lavendula angustifolia fine super bleu« aus der Haute Provence? Das Blau seiner Blüten ist unübertrefflich und sein Duft betörend. Seit nunmehr fünfzehn Jahren verkaufe ich, Familienvater, Veterinär und gebürtiger Cuxhavener, die provenzalische Blume auf den Berliner Wochenmärkten. Vor zehn Jahren eröffnete ich mein Ladenatelier »Monsieur Lavande« unweit des Hauptbahnhofs in der Lüneburger Straße. Hier können sich meine Kunden alle Produkte in Ruhe anschauen und in gemütlicher Atmosphäre genießen.

Die Idee, mich lieber Blumen als Tieren zu widmen, sie kam mir schon während eines Tierarzt-Praktikums 2002 im provenzalischen Pertuis. Und doch war die Begegnung mit dem Lavendel eher zufällig. In La Tour-d’ Aigues nördlich von Aix-en-Provence traf ich den Traubensaftproduzenten Silvan und entschied ein paar Flaschen seines kostbaren Mosts in Berlin zu verkaufen. Als in einer Kiste mit frischem Traubensaft auch einige Bouquets getrockneter Lavendels lagen, begann der blaue Zauber. Vorsichtig öffnete ich das erste Bündel, betrachtete die Blumen und band ihre Stiele zu kleinen Sträußen.

Peer Kahn - Der Lavendelmann
Aus dem Marktverkäufer von einst ist heute Monsieur Lavande – ein erfolgreiches Unternehmen geworden.

Die ersten Lavendelsträuße verkauften sich gut auf den Wochenmärkten. Und so stand ich nur anderthalb Jahre nach meinem Marktdebüt in der Lagerhalle eines provenzalischen Bauern und investierte mein gesamtes Geld in das „blaue Gold“. Mein Mut zahlte sich aus. Aus dem Marktverkäufer von einst ist heute Monsieur Lavande, ein erfolgreiches, nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen geworden, das neben Lavendelsträußen auch Biolavendelöle, Seifen und Lavendelhonig anbietet. Mein Dasein als Berliner Lavendelmann, für mich ist es die beste aller Möglichkeiten, selbstbestimmt und sonnigen Gemütes durchs Leben zu ziehen. Auch gefällt es mir, dass die blauen Blumen meinen Kunden wie Vorbeiziehenden bei Wind und Wetter ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ob nun auf dem Lavendelfeld oder hinter meinem Marktstand, stets gibt mir der Lavendelduft das wohlige Gefühl Zuhause zu sein.

Meine Produzenten in der Provence

Bei meinen Reisen in die Provence habe ich in den letzten Jahren Lavendelbauern, Destillateure und Imker kennengelernt, die mich seit Jahren zuverlässig mit ihren erstklassigen Produkten beliefern.

Der Lavendelbauer Gérard Bernard

Meine Suche nach dem echten, dem perfekten Lavendel, sie führte mich nach Ferrassières, einem Örtchen auf dem Plateau d’Albion unweit der Gemeinde Sault. Hier schloss ich 2009 Bekanntschaft mit Gérard Bernard, einem Lavendelbauern in dritter Generation und dem besten Blütenproduzenten der Haute-Provence. Jedes Jahr werden seine Pflanzen beim »Concours de Lavande de A.O.P. de Haute Provence«, dem Lavendelwettbewerb der örtlichen Bauernkooperative, wegen ihres komplexen Dufts und ihrer satten blauen Farbe prämiert.

Ein richtiges Spektakel ist das in der sonst so beschaulichen Gemeinde Ferrassières. Alle 129 Einwohner sind auf den Beinen, da die Gewinnerpflanze der Sommerernte gekürt wird. Wie Saphire auf Vitrinen liegen die Lavendelblüten auf weißen Tellern. Sorgfältig betrachtet die zehnköpfige Wettbewerbsjury sogleich jede einzelne Blüte, befühlt ihre samtige Oberfläche mit den Händen, inhaliert die ätherischen Öle in langen, tiefen Atemzügen.

Gerard-Bernard
Gérard Bernard, Lavendelbauer in dritter Generation und bester Blütenproduzenten der Haute-Provence.

Auf Gérard Bernards Wohnzimmerkommode stehen die Siegerpokale heute dicht an dicht. Sein Erfolgsgeheimnis ist der rote Dinosaurier, der uralte Mähdrescher des Großvaters, der die kostbaren Lavendelblüten bei der Ernte nicht zerstört. Andere Qualitätsmerkmale sind die liebevolle Handarbeit, die jeder Pflanze zukommt, der nährstoffreiche Boden direkt am Fuße des Mont Ventoux und das besonders reine Licht der Haute Provence. Dort oben auf den Feldern am Plateau d’Albion in bis zu 1.100 Metern Höhe, wo stets ein kühler Mistral weht, der – im Winter eiskalt – die Einfuhr der Ernte in der Julisonne erträglicher macht. Jedes Jahr zur Erntezeit fahre ich persönlich zu Gérard Bernard, um frische Ware und Produktneuheiten wie zuletzt den Lavande fine Roll-on oder die Lavendelbonbons für meinen Marktstand zu erwerben. Und jedes Mal wieder bin ich vom friedlichen Anblick der weiten Lavendelfelder, den summenden Bienen und der unbeschwerten Lebensart der Provenzalen fasziniert.

Die Lavendelölproduzenten Vincent und Emanuelle Dromel

Vincent und Emanuelle Dromel sind heimatverbundene Provenzalen aus Monieux im Département Vaucluse. Hier, am Mont Ventoux, am sogenannten Pass der Bienen, bewirtschaften sie in nunmehr sechster Generation ihre Lavendelfelder. Auf dem 180 Hektar großen Anwesen »La Loubatière« in 700 bis 1.200 Meter Höhe kultivieren sie mit viel Können und Leidenschaft alle in der Provence üblichen Lavendelarten. Die Dromels sind Lavendelpioniere, denn sie betreiben kontrollierten, zertifizierten Bioanbau und legen viel Wert auf ökologische Landwirtschaft. Nach der Ernte werden die getrockneten Blüten in die örtliche Destille gebracht und zu feinen Lavendelölen destilliert. Prämiert wurde etwa ihr Lavande fine Bio-Öl beim »Concours de Lavande de A.O.P. de Haute Provence«, dem Lavendelwettbewerb der örtlichen Bauernkooperative.

Ob als Parfüm, zur Körperpflege oder für die gute Laune – Lavendel hat viele positive Eigenschaften.

Der Imker Jean Paul Ravaute

Schon seit drei Generationen produzieren die Bienenvölker der Imkerfamilie Ravaute in Plaisians ihren sortenreinen Lavendelhonig. Gerade ist Imker Jean Paul Ravaute an der Reihe. Der leidenschaftliche Bienenvater ist weit und breit für seinen schonenden Umgang mit den fleißigen Arbeiterinnen bekannt. Um den Blütennektar einzusammeln, schwärmen seine 800 Bienenvölker auf den Lavendelfeldern des Plateau d’Albion aus. Dafür haben sie nur vier Wochen Zeit, so wird der Lavendel immer zur vollen Blüte Mitte Juli geerntet. Aromatisch-süß im Geschmack, ist die Konsistenz des Honigs je nach Jahreszeit flüssig, cremig oder fest.